Irène Schönholzer: Eine Pionierin der Klassischen Moderne in Gstaad

Von der Cellistin zur einflussreichen Galeristin: Irène Schönholzers Werdegang ist geprägt von Leidenschaft und Intuition. Als Gründerin der Galerie Lovers of Fine Art prägte sie über zwei Jahrzehnte die Kunstlandschaft Gstaads und etablierte sich als Vermittlerin herausragender Werke der modernen Kunst.

Eine unerwartete Wendung: Vom Konzertsaal in die Kunstwelt

Irène Schönholzers Weg in die Kunstbranche war alles andere als vorgezeichnet. In Zürich geboren, widmete sie sich zunächst der Musik. Sie studierte Cello am Konservatorium und der Musikhochschule in Zürich, bevor sie ihre Ausbildung in Basel fortsetzte und sich an der Schola Cantorum Basiliensis auf „alte Musik» spezialisierte.

Der entscheidende Moment

Ein zufälliges Treffen mit einem etablierten Kunsthändler lenkte Schönholzers Karriere in eine völlig neue Richtung. Diese Begegnung entfachte ihre Begeisterung für die Welt der Kunst und legte den Grundstein für ihre zukünftige Laufbahn. Ihre musikalische Vorbildung erwies sich dabei als wertvolle Basis, die ihr ein ausgeprägtes Gespür für Ästhetik und Harmonie vermittelte.

Gstaad: Geburtsstätte einer Vision

Geschäftliche Aktivitäten führten Schönholzer regelmässig nach Gstaad. 1990 wagte sie dort den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete ihre erste Galerie für zeitgenössische Kunst. Die Lovers of Fine Art setzte von Anfang an einen klaren Schwerpunkt auf die Kunst der Moderne – eine Entscheidung, die sich als Magnet für internationale Kunstenthusiasten erwies.

Zeitgenössische Kunst: Ein alpines Kunstzentrum entsteht

Über 25 Jahre lang entwickelte sich die Galerie zu einer festen Grösse in der Kunstwelt. Inmitten von Luxusboutiquen am Gstaader Platz schuf Schönholzer einen Raum, in dem Meisterwerke der Klassischen Moderne eine würdige Bühne fanden.

Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen

Das Programm der Lovers of Fine Art Gstaad zeichnete sich durch seine Bandbreite aus. Besucher konnten Werke von Künstlern wie Pablo Picasso, Claude Monet und Andy Warhol bewundern. Auch Jean Dubuffets Art Brut, Mark Rothkos farbintensive Gemälde und Alberto Giacomettis charakteristische Skulpturen fanden hier ihren Platz. Ergänzt wurde das Spektrum durch Arbeiten von Emil Nolde, Paul Klee und weiteren bedeutenden Künstlern der Epoche.

Die Galerie bot nicht nur etablierten Künstlern eine Plattform, sondern förderte auch aufstrebende Talente. Schönholzer hatte ein Auge für vielversprechende Newcomer und integrierte deren Werke geschickt in ihr Programm. Diese Mischung aus renommierten Namen und frischen Impulsen machte jede Ausstellung zu einem einzigartigen Erlebnis.

Atmosphäre und Präsentation im Einklang

Schönholzer legte grossen Wert auf eine angemessene Präsentation der Kunstwerke. Die Gestaltung der Galerie durch einen renommierten deutschen Innenarchitekten und ein durchdachtes Beleuchtungskonzept schufen den perfekten Rahmen für die ausgestellten Stücke.

Die Räumlichkeiten wurden so konzipiert, dass sie flexibel an die jeweiligen Ausstellungen angepasst werden konnten. Ob grossformatige Gemälde, filigrane Skulpturen oder multimediale Installationen – jedes Werk fand hier seine optimale Präsentationsform. Die Galerie wurde so zu einem lebendigen Organismus, der sich mit jeder neuen Ausstellung wandelte und die Besucher immer wieder aufs Neue überraschte.

Netzwerk als Schlüssel zum Erfolg

Der Erfolg der Galerie basierte nicht zuletzt auf Schönholzers Fähigkeit, Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen. Im Laufe der Zeit baute sie ein dichtes Netzwerk aus Künstlern, Sammlern und Galerien auf, das es ihr ermöglichte, immer wieder aussergewöhnliche Werke nach Gstaad zu bringen.

Ein Treffpunkt der Kunstelite

Die Lovers of Fine Art entwickelte sich zu einem Anziehungspunkt für Kunstliebhaber aus allen Bereichen der Gesellschaft. Die einzigartige Kombination aus exklusiver Lage und hochkarätigem Angebot machte die Galerie zu einer festen Adresse im internationalen Kunstbetrieb.

Vernissagen und Sonderveranstaltungen in der Galerie wurden zu gesellschaftlichen Ereignissen, bei denen sich Künstler, Sammler, Kritiker und Kunstenthusiasten trafen und austauschten. Diese Treffen förderten nicht nur den Dialog zwischen verschiedenen Akteuren der Kunstwelt, sondern trugen auch zur Positionierung Gstaads als Kulturstandort bei.

Innovative Projekte jenseits des Galerieraums

Schönholzer beschränkte sich nicht auf klassische Ausstellungen. Ein Highlight ihrer Tätigkeit war die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fotografen Michel Comte. Das Projekt „Berner Alpen um Gstaad» verband zeitgenössische Fotografie mit der majestätischen Berglandschaft und schuf so eine einzigartige Symbiose von Kunst und Natur.

Dieses Projekt war beispielhaft für Schönholzers innovativen Ansatz. Sie erkannte das Potenzial, die natürliche Schönheit der Alpen mit zeitgenössischer Kunst zu verbinden und schuf damit ein neues Format, das weit über die Grenzen einer traditionellen Galerie hinausging. Die entstandenen Werke wurden nicht nur in der Galerie, sondern auch an ausgewählten Orten in Gstaad präsentiert, was die Wahrnehmung des Ortes als Kunstdestination weiter stärkte.

Neuorientierung: Vom öffentlichen Raum zum exklusiven Handel

2015, nach einem Vierteljahrhundert als Galeristin, entschied sich Schönholzer für eine Neuausrichtung ihrer Tätigkeit. Sie schloss die Galerie und konzentrierte sich fortan auf den privaten Kunsthandel.

Anpassung an veränderte Marktbedingungen

Schönholzer erkannte die Veränderungen im globalen Kunstmarkt und die zunehmende Exklusivität beim Zugang zu Spitzenwerken. Der Wechsel zum Private Art Dealing ermöglichte es ihr, flexibler auf diese Entwicklungen zu reagieren.

Die Digitalisierung und Globalisierung haben den Kunstmarkt grundlegend verändert. Online-Plattformen und internationale Kunstmessen haben die Art und Weise, wie Kunst gehandelt wurde, revolutioniert. Schönholzer sah in dieser Entwicklung sowohl Herausforderungen als auch Chancen und passte ihr Geschäftsmodell entsprechend an.

Maßgeschneiderte Dienstleistungen für Sammler

In ihrer neuen Rolle kann Schönholzer:

  • Individueller auf Kundenwünsche eingehen
  • Schneller auf Markttrends reagieren
  • Ihr Netzwerk gezielt für spezifische Anfragen nutzen
  • Exklusive Werke vermitteln, die oft nicht öffentlich angeboten werden

Diese Neuausrichtung ermöglicht es Schönholzer, ihre jahrelange Erfahrung und ihr umfangreiches Netzwerk auf dem Kunstmarkt noch gezielter einzusetzen. Sie berät Sammler nicht nur beim Kauf einzelner Werke, sondern unterstützt sie auch bei der langfristigen Entwicklung und Pflege ihrer Sammlungen. Dabei geht es oft um mehr als nur den ästhetischen Wert der Kunst – Aspekte wie Investition, Konservierung und Nachlassplanung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Das bleibende Vermächtnis

Obwohl die physische Galerie nicht mehr existiert, ist Schönholzers Einfluss auf die Kunstszene Gstaads weiterhin spürbar. Ihr Wirken hat massgeblich dazu beigetragen, den Ort als Destination für Kunstliebhaber zu etablieren.

Ein neues Kapitel für Gstaad

Die von Schönholzer geschaffene Verbindung von moderner Kunst und alpinem Ambiente inspiriert bis heute Kunstinteressierte weltweit. Sie hat bewiesen, dass hochkarätige Kunst auch fernab der Metropolen erfolgreich präsentiert und vermittelt werden kann.

Heute ist Gstaad nicht nur für seinen Luxustourismus bekannt, sondern auch für seine lebendige Kunstszene. Zahlreiche Kunstsammlungen, Kunstveranstaltungen und Künstlerresidenzen zeugen von dem kulturellen Erbe, das Schönholzer mitbegründet hat. Die Verbindung von exklusivem Urlaubsort und anspruchsvoller Kunstszene hat Gstaad ein einzigartiges Profil verliehen, das Besucher aus aller Welt anzieht.

Inspiration für die nächste Generation

Schönholzers Werdegang und Erfolg dienen als Inspiration für aufstrebende Galeristen und Kunsthändler. Ihre Geschichte zeigt, dass mit Leidenschaft, Expertise und unternehmerischem Geschick auch in einem hart umkämpften Kunstmarkt neue Wege beschritten werden können.

Irène Schönholzers Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie Leidenschaft und unternehmerischer Geist ungewöhnliche Wege ebnen können. Ihr Erfolg zeigt, dass mit der richtigen Vision und Expertise auch in einem spezialisierten Feld wie dem Kunsthandel neue Massstäbe gesetzt werden können. Von der Musikerin zur einflussreichen Figur in der Kunstwelt – Schönholzers Werdegang unterstreicht die Bedeutung von Flexibilität, lebenslangem Lernen und der Fähigkeit, Chancen zu erkennen und zu nutzen.

Als private Kunsthändlerin setzt Schönholzer ihre Mission fort, Kunst zu vermitteln und Brücken zwischen Künstlern und Sammlern zu bauen. Ihr Engagement für die Kunst und ihre tiefe Verbundenheit mit Gstaad prägen weiterhin die kulturelle Landschaft des Ortes und darüber hinaus. Die Geschichte der Lovers of Fine Art und Irène Schönholzers Werdegang bleiben ein faszinierendes Kapitel in der Kunstgeschichte der Schweizer Alpen.